«WALDBADEN»

Ein Bad im Wald

 

Waldbaden ist mehr als ein klassischer Waldspaziergang. Waldbaden ist das Eintauchen in die Natur und in den Wald mit allen Sinnen. Es ist ein faules Flanieren durch Flora und Fauna. Es geht um Beobachten, Wahrnehmen und Entdecken. In Japan gilt diese Methode sogar als Medizin und ist als Gesundheitsvorsorge anerkannt. «Shirin-yoku», auf deutsch «Baden in der Waldluft» wird dort als Naturheilmethode praktiziert und ist in der Öffentlichkeit sehr populär. 2012 wurde an japanischen Universitäten sogar ein eigener Forschungszweig für "Waldmedizin" eingerichtet.

 

 

 

Was ist so gesund am Waldbaden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Forschende auf der ganzen Welt. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Der Wald absorbiert unter anderem chemische Botenstoffe, welche auch Terpene genannt werden. Diese Terpene wirken auf uns wie ein Katalysator. Sie stärken das Immunsystem, die Psyche und das Nervensystem. Eine der ältesten Studien stammt aus dem Jahr 1984, in der man feststellte, dass sich allein der Ausblick ins Grüne positiv auf den Genesungsverlauf frisch operierter Patienten auswirkt. Waldluft enthält zudem 90 Prozent weniger Staubteilchen als Stadtluft. Es ist also kein Wunder, dass der Wald eine magische Anziehungskraft hat.

 

Im Wald ist der Mensch abgelenkt von der Hektik des Alltags und das unlustige Hetzen von einem Termin zum nächsten kommt auch kurzzeitig zur Ruhe. Die vielfältigen Sinneseindrücke sind hier die Stars auf der Waldbühne: das Zwitschern der Vögel, der Geruch von Arvenholz und das Beobachten der Bäume im Sonnenlicht stimulieren die Aktivität des Parasympathikus, welcher im autonomen Nervensystem die Rolle des «Ent-stressers» einnimmt und für Ruhe und Regeneration sorgt.

 

 

 

Und wie geht man nun waldbaden?

 

Das Waldbaden hat nichts mit dem Baden im See oder im Fluss zu tun. Waldbaden kann ganz unterschiedliche Formen annehmen, doch im Grunde geht es darum, in der Natur zu sein, in sie einzutauchen und sie mit allen Sinnen aufmerksam wahrzunehmen. Beim Waldbaden lernt man zudem, seine Aufmerksamkeit besser zu lenken, was in stressigen Situationen des Alltags enorm nützlich sein kann. Man holt dann die Bilder aus dem Wald im Geiste wieder hervor und erlangt dadurch Ruhe und Entspannung. Meine Tipps dazu:

 

Für das erste Waldbaden sollte man sich etwas Zeit nehmen, denn das oberste Gebot lautet: Gehe langsam. Und wenn du langsam gehst, dann gehe noch langsamer. Reduziere das Tempo aus allen Bewegungen und entdecke den Wald mit diesen langsamen Augen. Bewerte nichts. Weder dich, noch andere, noch den Wald. Das Motto ist: Erleben statt Denken! Gehe ohne Erwartungen los. Sei neugierig, wach und bestaune. Beobachte das Licht. Schaue Formen und Farben an. Ändere die Perspektiven und lege dich unter eine Arve. Sei interessiert und tauche in den Wald ein.

 

Denn genau in dem Moment kreisen deine Gedanken nicht um ein anderes Thema, sondern sind auf deine Sinne fokussiert. Und das kann sehr heilsam und kreativ sein!